EIN GARTEN VOLLER LEBEN – Was Du wirklich für Insekten tun kannst
Es gibt Sommertage, an denen ich morgens im Garten sitze und das Gefühl habe, hier sei die große Frühstücksrunde bereits in vollem Gange.
Eine Hummel verschwindet kopfüber in einer Blüte. Eine Schwebfliege steht beinahe regungslos in der Luft. Über den Stauden tanzt ein Schmetterling, während irgendwo im Beet etwas summt, krabbelt und raschelt.
Himmlisches Buffet: Die Rosenmalve
Der Garten lebt.
Und wir dürfen bestimmen, wie viel Leben darin Platz findet.
Denn ein Garten ist ein eigenes Stück Land, auf dem wir entscheiden, was wächst. Wenn man kurz darüber nachdenkt, ist das ein ziemlicher Luxus. Und zu diesem Luxus gehört für mich auch eine Verantwortung.
Was nach einer kleinen Entscheidung im eigenen Beet klingt, bekommt eine erstaunliche Bedeutung, wenn man sich ein paar Zahlen anschaut. Denn sie zeigen, warum es sich lohnt, unseren Garten nicht nur schön, sondern auch lebendig zu gestalten.
Unser Bio Skabiosen-Mix.
ALLES RUND UM EINEN INSEKTENFREUNDLICHEN GARTEN
INHALT
WAS WIR WISSEN
Die bekannteste deutsche Untersuchung zum Thema ist die sogenannte Krefelder Studie aus dem Jahr 2017.
Ehrenamtliche Insektenkundler hatten über 27 Jahre hinweg in 63 Naturschutzgebieten die Biomasse fliegender Insekten gemessen.
Das Ergebnis: Über den gesamten Untersuchungszeitraum nahm die erfasste Biomasse um 76 Prozent ab, im Hochsommer sogar um 82 Prozent. [1]
Und das in Schutzgebieten.
Wodurch dieser Rückgang genau verursacht wurde, konnte die Studie nicht abschließend klären. Die untersuchten Veränderungen bei Wetter, Lebensraum und Flächennutzung erklärten ihn nicht. Als mögliche Ursache diskutierten die Forschenden unter anderem die intensive landwirtschaftliche Nutzung im Umfeld der Schutzgebiete – 94 Prozent der untersuchten Flächen waren von landwirtschaftlich genutzten Gebieten umgeben.
Auch ein Blick auf unsere Wildbienen zeigt, wie ernst die Lage ist: Von den in der deutschen Roten Liste bewerteten Bienenarten gelten 48 Prozent als bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Nur etwa 37 Prozent werden als ungefährdet eingestuft. [2]
So erschreckend diese Zahlen sind: Für uns Gärtner*Innen steckt darin gleichzeitig eine gute Nachricht. Denn wir können tatsächlich etwas tun.
Der wunderschöne Mohn "Bridal Silk".
WARUM AUSGERECHNET UNSERE GÄRTEN ZÄHLEN
Kann ein einzelner Garten schon etwas ausrichten? Eine ganze Menge – sobald wir Gärten nicht einzeln, sondern als großes grünes Netz betrachten.
Eine große britische Studie untersuchte 360 Flächen in vier Städten und kam zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Hausgärten und Kleingärten gehören zu den wichtigsten städtischen Lebensräumen für Bestäuber. [3]
Hausgärten waren vor allem wegen ihrer großen Gesamtfläche bedeutsam. Kleingärten zeichneten sich durch eine besonders hohe Vielfalt an Bestäubern aus.
In Deutschland gibt es rund 17 Millionen Privatgärten. Zusammengenommen bedecken sie knapp zwei Prozent der gesamten Fläche unseres Landes. [4]
Das ist ein gewaltiges Netz aus möglichen Lebensräumen, Futterplätzen und Rückzugsorten.
Große Liebe: Unsere Ziermöhre "Purple Kisses"
BLÜHFLÄCHE MACHT EINEN MESSBAREN UNTERSCHIED
Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigt eine Untersuchung der TU Darmstadt.
Dabei wurden städtische Flächen mit heimischen Wildblumenmischungen mit Flächen verglichen, auf denen Ziergehölze wuchsen. Je nach Fangmethode wurden auf den Wildblumenflächen 212 bis 260 Prozent mehr Insekten und andere kleine Gliederfüßer erfasst. [5]
Gleichzeitig lagen die Pflegekosten der Wildblumenflächen deutlich niedriger.
Mehr Leben und weniger Pflege. Eine Erkenntnis, mit der ich als Gärtnerin hervorragend leben kann.
WAS INSEKTEN TATSÄCHLICH BRAUCHEN
BLÜTEN – UND ZWAR MÖGLICHST LANGE
Nicht nur im Mai und Juni, wenn der Garten ohnehin aussieht, als hätte er sich für einen großen Auftritt herausgeputzt.
Insekten brauchen vom zeitigen Frühjahr bis weit in den Herbst hinein Nahrung. Gerade am Anfang und am Ende des Gartenjahres kann das Angebot knapp werden.
Deshalb sind unterschiedliche Blütezeiten so wichtig.
VIELFALT UND FÜLLE
Unterschiedliche Insekten brauchen unterschiedliche Blütenformen.
Manche gelangen besonders gut an flache, offene Blüten. Andere kommen auch mit längeren oder tieferen Blütenkelchen zurecht. Einige Arten sind bei ihrer Nahrung sehr wählerisch, andere deutlich unkomplizierter.
Deshalb ist Vielfalt so wichtig.
Gleichzeitig sollten wertvolle Futterpflanzen nicht völlig vereinzelt im Beet herumstehen. Eine einzelne Blüte ist schnell übersehen. Eine kleine Gruppe wird dagegen zu einem gut sichtbaren Futterplatz.
Ideal ist also beides: viele unterschiedliche Pflanzen, die nacheinander blühen – und von besonders wertvollen Arten ruhig ein paar mehr.
Für die Gestaltung eines schönen Beetes ist das übrigens ebenfalls ein Gewinn. Wiederholungen bringen Ruhe hinein und verhindern den beliebten Gartencenter-Sammelsurium-Look.
EIN BISSCHEN UNORDNUNG
Abgestorbene Pflanzenstängel, Laub, offene Bodenstellen und kleine Totholzecken bieten Schutz und Nistmöglichkeiten. Einige Wildbienenarten nutzen hohle oder markhaltige Stängel für ihren Nachwuchs. Andere nisten im Boden.
Wer im Herbst alles abschneidet, auskratzt, absaugt und auf Hochglanz poliert, nimmt vielen Gartenbewohnern ungewollt den Platz zum Überwintern.
Die Stauden dürfen deshalb gerne bis zum Frühjahr stehen bleiben. Sie sehen mit Raureif wunderschön aus, schützen das Beet – und wir haben im Herbst ein To Do weniger.
In meinem Garten – die wunderschöne Akelei "Pink Petticoat"
ES MUSS KEIN WILDER NATURGARTEN WERDEN
Ein insektenfreundlicher Garten darf gestaltet sein.
Er darf Farbschemata haben, klare Wege, romantische Rosen und sorgfältig geplante Beete. Du musst Dich nicht zwischen einem schönen Garten und einem wertvollen Lebensraum entscheiden.
Auch Deine gefüllten Rosen dürfen bleiben.
Viele stark gefüllte Blüten bieten zwar wenig oder keine erreichbare Nahrung, wenn aber daneben ungefüllte und halb gefüllte Blüten, Kräuter, Stauden und Zwiebelblumen wachsen, ist trotzdem reichlich Auswahl am Buffet.
HERBST IST PFLANZZEIT – AUCH FÜR DAS NÄCHSTE INSEKTENJAHR
Der Herbst ist genau die richtige Zeit, um das Blütenangebot für das kommende Gartenjahr zu planen.
Und zwar nicht nur für die üppigen Wochen im Mai und Juni, sondern vom ersten Krokus bis zu den letzten Herbstblüten.
150 TAGE BLUMEN UND 150 TAGE FUTTER
Die Blumenzwiebelmischung "Futterglück für Biene & Co" bringt nicht alles auf einmal zum Blühen.
Die unterschiedlichen Blumenzwiebeln reichen sich über viele Wochen hinweg den Staffelstab weiter. Während wir nach dem Winter über jede neue Blüte glücklich sind, finden auch früh fliegende Insekten wieder Nahrung.
EIN GANZES BEET VOLLER INSEKTENGLÜCK
Das Staudenpaket "Insektenglück" besteht aus 16 aufeinander abgestimmten Bio-Stauden für rund 2,5 Quadratmeter Beet.
Unterschiedliche Höhen, Blütenformen und Blütezeiten ergeben zusammen ein lebendiges Beet, in dem nicht nur möglichst viel, sondern vor allem möglichst lange etwas blüht.
Damit bekommst Du keine zufällige Ansammlung hübscher Einzelpflanzen, sondern eine geplante Gemeinschaft.
EINFACH IRGENDWO ANFANGEN
Vielleicht pflanzt Du in diesem Herbst ein paar zusätzliche Blumenzwiebeln. Vielleicht legst Du ein neues Staudenbeet an. Vielleicht bleiben die trockenen Stängel künftig bis zum Frühjahr stehen. Oder Du lässt in einer Ecke ein bisschen mehr zu, als Dein innerer Ordnungsdienst normalerweise gestatten würde.
Keine dieser Entscheidungen wirkt für sich genommen besonders spektakulär. Aber genau daraus entstehen lebendige Gärten.
Wenn wir nämlich schon das große Glück haben, ein Stück Erde unser Eigen nennen zu dürfen, können wir etwas daraus machen:
Einen Garten, der uns Freude schenkt. UND einen Garten, in dem es brummt, summt und flattert. 🐝🦋🐞 Denn viel schöner kann Verantwortung eigentlich kaum aussehen.
Und wenn Du dann irgendwann wieder mit dem Kaffee am Beet stehst und gleich drei Hummeln zählst: Das war kein Zufall. Das warst Du.
Fotos: Kim Lea Adam, My Cottage Garden
QUELLEN
[1] Krefelder Studie zum Rückgang der Fluginsekten
Hallmann, C. A. et al. (2017): More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE 12(10), e0185809.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185809
[2] Gefährdung der Bienenarten in Deutschland
Rote-Liste-Zentrum (2025): Fast die Hälfte der Bienenarten Deutschlands ist bestandsgefährdet.
https://www.rote-liste-zentrum.de/themenwelt/news/info-zum-weltbienentag-fast-die-haelfte-der-bienenarten-deutschlands-ist-bestandsgefaehrdet/
Die zugrunde liegende bundesweite Rote Liste stammt aus dem Jahr 2011; eine aktualisierte Fassung wird derzeit vorbereitet.
[3] Bedeutung von Haus- und Kleingärten für städtische Bestäuber
Baldock, K. C. R. et al. (2019): A systems approach reveals urban pollinator hotspots and conservation opportunities. Nature Ecology & Evolution 3, 363–373.
https://doi.org/10.1038/s41559-018-0769-y
[4] Zahl und Gesamtfläche der Privatgärten in Deutschland
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung: Forschungsprojekt gARTENreich – Präferenzen und Hemmnisse für die Gestaltung artenreicher Privatgärten.
https://www.ioew.de/projekt/gartenreich
[5] Vergleich von Wildblumenflächen und Ziergehölzen
Mody, K. et al. (2020): Flower power in the city: Replacing roadside shrubs by wildflower meadows increases insect numbers and reduces maintenance costs. PLOS ONE 15(6), e0234327.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0234327