BLUMENZWIEBELN PFLANZEN – 8 Fehler, die ich nicht mehr mache
Hallo September!
Ich bin zurück und freue mich gerade tatsächlich sehr auf den Herbst: auf kühlere Tage, gemütliche Momente im Haus, dicke Wollsocken und die Ausrede, abends mal wieder früher mit einem guten Buch im Bett zu verschwinden.
Der Garten hat sich in den letzten Wochen ziemlich verselbstständigt und am Wochenende wird erstmal mit Schere, Schnüren und Laubsack bewaffnet durch die Beete getigert. Aufbinden, abschneiden, einsammeln – und vermutlich zwischendurch ein bisschen kopfschüttelnd feststellen, was in ein paar Wochen Abwesenheit alles passieren kann.
Und dann steht natürlich noch die letzte groooße Gartenaufgabe des Jahres bevor:
Blumenzwiebeln pflanzen! 🌷
Bevor es losgeht, gebe ich Dir noch etwas mit auf den Weg: Man kann daraus eine ziemliche Wissenschaft machen. Muss man aber nicht.
Im Gegenteil: Einige Dinge, die ich früher ganz brav gemacht habe, lasse ich heute auch mal entspannt bleiben.
Hier sind die acht Dinge, die ich mir über die Jahre erfolgreich abgewöhnt habe.
1. ICH VERTEILE MEINE BLUMENZWIEBELN NICHT MEHR MIT SYSTEM IM BEET
Reihen und Raster überlasse ich dem (nicht vorhandenen) Gemüsebeet. Ich werfe meine Blumenzwiebeln tatsächlich einfach locker aufs Beet und pflanze sie ungefähr dort ein, wo sie landen.
Mal liegen drei etwas näher zusammen, mal ist dazwischen eine größere Lücke.
2. ICH MACHE KEINE WISSENSCHAFT MEHR DARAUS
Wie tief? Welche Erde? Wann genau? Muss Sand ins Pflanzloch? Grundsätzlich sind Blumenzwiebeln herrlich unkompliziert und ein Garten darf auch mal aus dem Bauch heraus entstehen. Die Zwiebeln verzeihen erstaunlich viel.
Bei der Pflanztiefe halte ich mich grob an die Faustregel: Das Pflanzloch sollte etwa zwei- bis dreimal so tief sein, wie die Zwiebel hoch ist. Rein damit, Erde drauf, fertig.
3. ICH PLANE NICHT NUR FÜR APRIL UND MAI
So sehr ich Tulpen liebe: Wenn im Herbst nur Tulpen ins Beet wandern, verpasst man einen ziemlich großen Teil des Vergnügens.
Denn für mich beginnt der Frühling mit den allerersten Winterlingen und Krokussen, wenn der Garten eigentlich noch tief und fest zu schlafen scheint.
Danach kommen Narzissen, frühe Tulpen, späte Tulpen – und zum großen Finale: Allium.
Wenn Du die Blütezeiten ein bisschen im Blick hast, kannst Du mit Blumenzwiebeln dafür sorgen, dass über Monate immer irgendwo etwas Neues aufblüht.
Hättest Du auch gerne ein lebendiges Frühlingsbeet voller Farbe, summender Besucher und immer neuer Blütenmomente – vom ersten zaghaften Erwachen des Gartens bis in den Frühsommer hinein? Dann guck Dir mal unser Futterglück für Biene & Co an.
4. ICH ACHTE NICHT MEHR AUF PFLANZABSTÄNDE
Ein Zentimeter mehr oder weniger hat noch keinem Beet geschadet. Die empfohlenen Pflanzabstände sind eine gute Orientierung – mehr aber auch nicht.
Wenn ein paar Zwiebeln etwas näher beieinanderliegen, dürfen sie das bei mir. Gerade bei Tulpen mag ich es sogar, wenn sie in größeren, etwas dichteren Gruppen auftauchen.
Es sind die kleinen Unregelmäßigkeiten, die ein Beet später natürlich statt geplant wirken lassen.
5. ICH ACHTE NICHT BEI JEDER ZWIEBEL PENIBEL DARAUF, WO OBEN UND UNTEN IST
Bei einer großen Tulpen- oder Narzissenzwiebel ist die Sache ohnehin ziemlich eindeutig: Spitze nach oben, Wurzelseite nach unten.
Aber spätestens, wenn man ein paar hundert kleinere Blumenzwiebeln pflanzt, hört bei mir die Pedanterie auf. Liegt eine Zwiebel mal schräg oder auf der Seite, ist das kein Drama. Der Austrieb findet seinen Weg schon nach oben.
Wer Zwiebel Nummer 237 in der Hand hält, hat irgendwann wirklich Besseres zu tun, als nach der Spitze zu suchen.
6. ICH PFLANZE NICHT JEDE SORTE BRAV IN IHR EIGENES GRÜPPCHEN
Grundsätzlich pflanze ich meine Blumenzwiebeln gerne in Gruppen. Aber was ich gar nicht möchte: dass später eine Sorte hier blüht, die nächste fein säuberlich zwei Meter weiter und dazwischen herrscht Niemandsland.
Ein paar dürfen sich bei mir deshalb immer „verirren“. Eine Tulpe aus der einen Gruppe taucht plötzlich in der nächsten auf, ein paar Narzissen wandern durchs Beet und dieselbe Sorte begegnet einem an anderer Stelle wieder.
Diese kleinen Wiederholungen verbinden das ganze Beet miteinander – und genau dadurch entsteht dieses üppige, natürliche Durcheinander, das ich so liebe.
7. ICH WARTE NICHT AUF DEN PERFEKTEN ZEITPUNKT
Der ideale Tag zum Pflanzen kommt sowieso nie. Vermutlich wäre das ein sonniger Samstag, 14 Grad, leicht feuchte Erde, keine Termine und anschließend Kaffee und Kuchen auf der Terrasse.
Stattdessen regnet es. Oder ich habe keine Zeit. Oder keine Lust. Oder die Kiste mit den Blumenzwiebeln steht seit sechs Wochen herum und entwickelt eine vorwurfsvolle Aura.
Deshalb pflanze ich inzwischen einfach dann, wenn es passt.
Und keine Panik, wenn es später wird: Gerade Tulpen können problemlos noch spät im Herbst in die Erde, solange der Boden nicht gefroren ist.
8. THE MORE THE MERRIER!
Das ist wahrscheinlich der Fehler, über den ich mich im Frühling am häufigsten geärgert habe. Warum habe ich davon nicht mehr gepflanzt?!
Denn zehn Tulpen sehen in einer Tüte erst einmal nach ziemlich viel aus. Im Garten sind zehn Tulpen dann aber plötzlich erstaunlich … übersichtlich.
Diese verschwenderische Blütenfülle, die wir im Frühling so lieben, entsteht eben nicht durch fünf Tulpen hier und drei Narzissen dort. Sie entsteht durch Menge und Wiederholung.
Lieber eine Lieblingssorte großzügig pflanzen und an mehreren Stellen wieder auftauchen lassen. Lieber noch ein paar Krokusse dazwischenwerfen. Und lieber eine Gruppe ein bisschen größer machen, als sich im Frühling zu ärgern, dass man im Herbst zu sparsam war.
Denn eines ist mir in all den Jahren tatsächlich noch nie passiert:
Dass ich im April vor einem Beet stand und dachte: „Also wirklich. Das sind jetzt eindeutig zu viele Tulpen.“
Fotos: Janina Laszlo, Kim Lea Adam, My Cottage Garden