GIERSCH BEKÄMPFEN ODER AKZEPTIEREN? – 18 PFLANZEN, DIE SICH NICHT UNTERKRIEGEN LASSEN
Eigentlich sind wir Gärtner doch ständig auf der Suche nach der „eierlegenden Wollmilchsau“. Wir wünschen uns eine Staude, die jedes Jahr verlässlich wiederkommt, insektenfreundlich ist, hübsch blüht, trockenheitsverträglich & absolut unkompliziert ist und – der heilige Gral – von Schnecken konsequent ignoriert wird.
Darf ich vorstellen? – Der Giersch.
Zugegebenermaßen ist sein großes Manko seine unbändige Durchsetzungskraft, aber davon mal abgesehen ist er ein echtes Rennpferd unter den Gartenbewohnern. Bevor Du mich jetzt falsch verstehst: Ich rate wirklich jedem davon ab, ihn jemals freiwillig zu pflanzen! Aber wenn er nun mal schon da ist, warum ihn nicht einfach als Teil der Beetplanung akzeptieren, statt sich an ihm aufzureiben? Nicht unbedingt der Mitbewohner, den man sich ausgesucht hätte, aber immerhin einer mit guten Eigenschaften.
Und vielleicht hilft Dir dieser Gedanke ihn ein bisschen gelassener zu tolerieren: Giersch ist zwar erstaunlich hartnäckig, aber auch eine extrem wertvolle Pflanze für Insekten – und auch für uns ein "Superfood".
Raus aus der Sisyphus-Falle
Wer das Kraut im Garten hat, kennt diesen Moment der totalen Kapitulation. Wer hat schon Lust, seine Wochenenden mit dem Aussieben von winzigen Wurzelstückchen zu verbringen, nur damit zwei Wochen später der nächste grüne Teppich „Hallo“ sagt? Dieser Frust, die harte Arbeit und die ordentliche Portion Rückenschmerzen will wirklich keiner.
Auch ICH muss regelmäßig jäten und dem Giersch seine Grenzen aufzeigen, weil er sonst kurzerhand meine Einfahrt übernimmt.
Der Trick ist nicht die totale Vernichtung, sondern ein cleveres Management. Giersch ist wie dieser eine Gast auf Deiner Party, der das ganze Buffet leerfrisst und dann einfach nicht gehen will. Anstatt ihn schreiend vor die Tür zu setzen (was er ohnehin ignoriert), stellen wir ihm einfach ein paar sehr selbstbewusste, charakterstarke Nachbarn zur Seite.
Die Strategie: Bouncer statt Barrikaden
Ich möchte Dir zeigen, wie Du Dein Beet so gestaltest, dass Du nicht mehr gegen die Natur arbeitest, sondern mit ihr. Wir setzen auf Pflanzen, die dem Giersch dank ihres kräftigen Wurzelwerks oder ihrer schieren Blattgewalt ganz entspannt die Stirn bieten.
Das Ziel? Ein üppiges, lebendiges Beet, in dem der Giersch zwar mitspielen darf, aber nicht mehr die Hauptrolle übernimmt. Du musst nur noch gelegentlich an den Rändern ein bisschen „nachjustieren“, damit er nicht Dein ganzes Grundstück annektiert. Den Rest der Zeit kannst Du entspannt mit Deinem Kaffee daneben sitzen und zuschauen, wie es um Dich herum summt & brummt. Während Deine neuen Garten-Partner ganz gelassen ihren Platz behaupten, schenken sie Dir ein wunderschönes Blütenmeer und nehmen Dir die mühsame Arbeit ab, die Du früher gegen den Giersch investiert hast.
Hier sind 19 Pflanzen, die dem Giersch Paroli bieten und Deinen Garten vor dem (vermeintlichen) Untergang bewahren:
1. STRAUCHROSEN
Setze auf historische Strauchrosen, die ca. 150 cm groß werden. Dank ihrer tiefgehenden Pfahlwurzeln sind wuchsstarke Rosen ideale Partner für Giersch-geprägte Standorte. Während die Rosen eine Etage tiefer nach Wasser und Nährstoffen schürfen, bildet der blühende Giersch zu ihren Füßen einen natürlichen Schleier. Das Ergebnis ist eine stressfreie Symbiose... und der filigrane Blütenteppich des Gierschs unterstreicht die opulente Rosenblüte perfekt.
Damit Du in Sachen Rosen keine Experimente machen musst, habe ich mir einen echten Experten an die Seite geholt: Christian Schultheis vom traditionsreichen Rosenhof Schultheis. Er hat für uns seine persönlichen "Garten-Helden" kuratiert – Sorten, die bei ihm selbst bewiesen haben, dass sie dem Giersch ganz souverän die Stirn bieten:
Empfohlene Sorten:
1. Duchesse de Montebello
2. Königin von Dänemark
3. Stanwell Perpetual
4. Jacques Cartier (rosa)
5. Jacques Cartier (weiß)
6. Louise Odier (öfterblühend)
7. Musquée sans Soucis®
8. Sarah's Cottage Garden (Meine eigene Rose)
9. Bukavu
Christians Experten-Tipp:
Im Grunde eignet sich jede historische Strauchrose, die eine stattliche Höhe von etwa 150 cm erreicht, als Partner im Giersch-Beet. In der „Kennenlernphase“ – also den ersten zwei Jahren – brauchen sie allerdings noch ein wenig Starthilfe: Halt der Rose den Giersch ein bisschen vom Leib, indem Du ihn um sie herum regelmäßig abmähst oder stutzt, bis sie die magische Ein-Meter-Marke geknackt hat. Sobald sie gut etabliert und kräftig genug ist, behauptet sie ganz souverän ihr Revier und macht einfach „ihr Ding“.
— Christian Schultheis, Rosenhof Schultheis
2. STORCHSCHNABEL
Die wohl meistgenannte Pflanze im Kampf gegen den Giersch – Er beherrscht die Kunst der Allelopathie: Durch seine markanten ätherischen Öle sendet er eine klare chemische Botschaft an unliebsame Eindringlinge, die Giersch & Co. instinktiv auf Distanz hält. Doch er verlässt sich nicht nur auf sein unsichtbares Schutzschild: Sein extrem dichtes Blattwerk versiegelt den Boden so lückenlos, dass dem Giersch schlicht die Luft zum Atmen fehlt. Das Ergebnis ist eine souveräne Bodenherrschaft, die biologische Abwehr und optische Eleganz perfekt vereint – während das Laub im Herbst als krönender Abschluss in leuchtendem Purpur erstrahlt.
Die beliebtesten Sorten:
1) Balkan-Storchschnabel
2) Dalmatinischer Storchschnabel
3) Storchschnabel Rozanne
4) Storchschnabel Sirak
5) Schokoladen-Storchschnabel
3. MEIN GEHEIMTIPP FÜR DEN FRÜHLING: TULPEN
Du willst den Giersch im Frühjahr so richtig in Szene setzen? Dann sind hohe Tulpen Deine besten Verbündeten. Das Geniale an dieser Kombination ist das Timing: Die Tulpen sind echte Frühstarter. Sie schießen förmlich aus dem Boden und recken ihre Blütenköpfe stolz in die Höhe, noch bevor der Giersch sein volles Volumen erreicht hat.
Während sich unten der frische, grüne Teppich ausbreitet, thronen oben Deine Lieblingsfarben. Der Giersch übernimmt dabei die Rolle des perfekten Floristen-Grüns: Er kaschiert die oft etwas nackten Stängel der Tulpen und lässt das Beet herrlich üppig und „fertig“ aussehen.
Und das Beste für Dich: Wenn die Tulpen später verblüht sind, übernimmt der Giersch seinen zweiten Job. Er versteckt ganz charmant das welkende Tulpenlaub, das Du ja (bei mehrjährigen Tulpen) für die Kraft der Zwiebel unbedingt stehen lassen solltest. So bleibt Dein Beet optisch ruhig und gepflegt, während sich Deine Tulpen unter dem grünen Blätterdach in Ruhe für das nächste Jahr zurückziehen können. Ein echtes Dream-Team, oder?
4. Mondviole
Die Mondviole begeistert mich gerade in meinem Giersch-Beet. Ihr großer Pluspunkt: Mit einer stolzen Höhe von bis zu 120 cm überragt sie den Giersch mühelos und bringt mit ihren hellen Blüten Licht in dunkle Ecken. Während sie Dich abends mit einem betörenden Duft verwöhnt, bildet sie später ihre berühmten, silbrig-transparenten Schoten aus. Diese kleinen „Monde“ sind ein wunderschöner Schmuck, der Deinem Beet bis weit in den Winter hinein Struktur und einen Hauch von Magie verleiht.
Zum Beispiel:
1) Ausdauerndes Silberblatt / Mondviole (Lunaria rediviva)
5. ELFENBLUME (EPIMEDIUM)
Die Elfenblume hat es in diese Liste geschafft, weil so viele von Euch fantastische Erfahrungen mit ihr gemacht haben – und optisch ist sie ohnehin ein echtes Juwel. Man muss sie allerdings richtig verstehen: Sie ist keine „schnelle Eingreiftruppe“, sondern eher die ausdauernde Strategin.
Während ihre zarten Blüten im Frühjahr fast schwerelos über dem Beet schweben, webt sie unter der Erde bei guter Pflege ein beeindruckendes Geflecht aus dichten Matten. In diesem harten Rhizom-Wall findet der Giersch auf lange Sicht schlicht keinen Platz mehr, um seine Fühler auszustrecken. Ein eleganter Sieg durch pure Präsenz: still, filigran und absolut unnachgiebig.
Aber Achtung: Die Elfenblume ist eine feine Dame und schätzt keine Kneipenschlägereien. Gegen einen bereits tief verwurzelten, kräftigen Giersch-Teppich zieht sie anfangs oft den Kürzeren. Da sie eher langsam anwächst und keinen „aggressiven“ Wurzelfilz bildet, braucht sie in den ersten ein bis zwei Jahren Deine volle Rückendeckung. Wenn Du ihr aber hilfst, den Platz anfangs sauber zu halten, belohnt sie Dich irgendwann mit einer Bodenherrschaft, die so dicht und pflegeleicht ist, wie man es sich nur wünschen kann.
Beliebte Sorte: Elfenblume "Pink Elf"

6. GOLDERDBEERE (Waldsteinia geoides)
Wer Gelb liebt, findet in der Golderdbeere eine extrem unkomplizierte Lösung. Dieser robuste Bodendecker bildet schnell eine geschlossene Fläche, die dem Giersch konsequent das Licht entzieht. Der Clou: Da die Golderdbeere auch im Winter grün bleibt, besetzt sie das Terrain das ganze Jahr über. So bleibt das Beet ohne viel Pflegeaufwand sauber, während die gelben Blüten im Frühjahr für frische Farbtupfer sorgen.
Beliebte Sorte: Dreiblatt Golderdbeere
7. KLEINES & GROSSES IMMERGRÜN
Ihre Strategie gegen Giersch ist totale Ausdauer: Das Immergrün bildet ein kriechendes, verholzendes Geflecht, das selbst im tiefsten Schatten überlebt. Aber Vorsicht: Vinca ist giftig und so wucherstark, dass sie kleine Nachbarpflanzen einfach schluckt. Wer sie setzt, entscheidet sich für eine dauerhafte Bodenversiegelung, die kaum noch Raum für anderes lässt. Einmal etabliert, ist sie fast so schwer zu vertreiben wie der Giersch selbst – ideal für abgelegene Gartenecken, in denen sonst nichts bestehen kann.
Beliebte Sorten:
Vinca Minor
(etwas zierlicher, gut für kleinere Flächen oder Unterpflanzungen):
1) Weißes Immergrün 'Alba' / Vinca 'Alba'
2) Kleinblättriges Immergrün 'Aureovariegata'
Vinca Major
(kräftiger im Wuchs, ideal für größere Bereiche mit hartnäckigem Giersch):
3) Großblättriges Immergrün
4) Großblättriges Immergrün 'Variegata'
8. Beinwell (Symphytum grandiflorum)
Er beeindruckt den Giersch nicht mit List, sondern durch seine schiere Blattgewalt. Die großen, rauen Blätter bilden einen so dichten Schirm, dass darunter für das Unkraut schlichtweg das Licht ausgeht. Während der Giersch also das Nachsehen hat, schenkt Dir der Beinwell wertvolles „grünes Gold“: Seine Blätter sind ein erstklassiger, natürlicher Dünger für Deine restlichen Beete. Ein rustikaler Typ, der im Garten Ordnung hält und Dir gleichzeitig als Kraftquelle dient.
Was Du wissen solltest: Die Blätter sind so nährstoffreich, dass Du aus ihnen hervorragend Mulch oder eine stärkende Jauche für Deine Tomaten gewinnen kannst. Aber wähle den Platz mit Bedacht – der Beinwell ist ein treuer Begleiter, der sich, einmal etabliert, nicht so leicht wieder umziehen lässt.
Beliebte Sorten:
1) Echter Beinwell
2) Beinwell 'Wisley Blue'
3) Beinwell 'Hidcote Blue'
4) Roter Beinwell
Diese Beinwell-Sorten sind bekannt für ihr kräftiges Wachstum und ihre Fähigkeit, den Boden schnell zu bedecken.
9. FUNKIEN (HOSTA)
Ihre großen Blätter bilden eine dichte Decke, die dem Giersch das Licht nimmt und ihn so unterdrückt. Um Giersch etwas entgegenzusetzen, sind größere und wuchsstärkere Funkien-Sorten tatsächlich besser geeignet als zierliche Sorten, da sie mit ihrem dichten Laub den Boden besser beschatten und dem Giersch das Licht nehmen können.
Beliebte Sorten:
1) Weißblühende-Lilien-Funkie 'Royal Standard'
2) Große Weißrand-Funkie 'Regal Splendor'
10. Kerzen- & Bergknöterich
Er bildet dichte Horste und hat kräftige Blätter, die dem Giersch das Licht nehmen. Zudem ist er sehr robust und blüht wunderschön, was ihn zu einer attraktiven und nützlichen Ergänzung im Garten macht.
Beliebte Sorten:
1) Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis)
2) Kerzenknöterich 'Rosea' (Bistorta amplexicaulis 'Rosea')
3) Bergknöterich "Johanniswolke"
(Super für den hinteren Bereich des Beets, da sie recht hoch wird und imposante Blütenrispen bildet)
11. Wald-Geissbart (Arunucus Dioicus)
Beliebte Sorten:
1) Hoher Wald-Geißbart (Aruncus dioicus)
2) Kleiner Geißbart 'Horatio' (Aruncus aethusifolius 'Horatio')
3) Geschlitztblättriger Geißbart 'Whirlwind' (Aruncus dioicus 'Whirlwind')
12. Frauenmantel (Alchemilla mollis)
Ich liebe ihn! Seine grünen Wolken sind ein Traum. Vor allem an der Beetkante macht er sich super und zu Rosen sieht er auch traumhaft aus. Besonders der Großblättrige Frauenmantel (Alchemilla mollis) bildet mit seinen großen Blättern dichte Polster, die dem Giersch das Licht nehmen und ihn so in seinem Wachstum behindern. Zudem ist er sehr pflegeleicht und anspruchslos.
Beliebte Sorten:
1) Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora)
2) Zwergiger Frauenmantel (Alchemilla erythropoda)
3) Großblättriger Frauenmantel (Alchemilla mollis)
13. Aster (Aster divaricatus)
Die sogenannte "Sperrige Aster" ist bekannt für ihren teppichartigen Wuchs und ihre Fähigkeit, auch im Halbschatten gut zu gedeihen. Ihre Ausbreitungsfreudigkeit hilft dabei, den Giersch zu verdrängen, indem sie ihm das Licht und den Raum nimmt.
Beliebte Asternsorten:
1) Sperrige Aster (Aster divaricatus)
2) Sperrige Aster 'Tradescant'
3) Waagerechte Aster (Aster lateriflorus var. horizontalis)
4) Kissen-Aster (Symphyotrichum dumosum)
5) Kissen-Aster 'Kassel' (Symphyotrichum dumosum 'Kassel')
6) Kissen-Aster 'Kristina' (Symphyotrichum dumosum 'Kristina')
14. Herbstanemone (Anemone hupehensis)
Ich liebe sie. Sie sind wuchsfreudig, bilden mit der Zeit dichte Horste und haben eine stattliche Höhe, die dazu beiträgt, den Giersch zu unterdrücken. Zudem bevorzugen sie ähnliche Standorte wie Giersch – nämlich halbschattige bis schattige Plätze mit humosem, feuchtem Boden. Ihre späte Blüte ist außerdem eine wunderschöne Bereicherung für den Herbstgarten, wenn sie über dem Beet tanzen.
Falls Du die Herbstanemone noch nicht kennst, hier ist meine "Ode an die Herbstanemone"
Beliebte Sorten:
1) Japan-Herbst-Anemone 'Pamina' (Anemone hupehensis 'Pamina')
2) Herbst-Anemone 'Ouvertüre' (Anemone hupehensis 'Ouvertüre')
3) Herbst-Anemone 'Serenade' (Anemone hupehensis 'Serenade')
KÖSTLICHE ALLIANZEN:
Essbare Bodendecker gegen Giersch: Nutzen und Genuss verbinden
15. Kartoffeln
Das Kartoffelbeet ist eine alte Gärtner-Geheimwaffe, denn durch das regelmäßige Anhäufeln der Erde störst Du den Giersch so konsequent in seinem Rhythmus, dass es an seine Energiereserven geht. Gleichzeitig nehmen ihm die großen, schattenspendenden Kartoffelblätter das Licht, während die kleingehackten Gierschblätter als Mulchschicht ein erstklassiger, mineralstoffreicher Dünger für Deine Ernte sind.
So verwandelst Du ein Problembeet in eine produktive Fläche und darfst Dich im Sommer obendrein über die oft unterschätzte, wunderschöne Blütenpracht der Kartoffeln freuen.
16. Bärlauch (Allium ursinum)
Bärlauch ist eine hervorragende Wahl! Er ist nicht nur sehr lecker und vielseitig in der Küche verwendbar, sondern auch ein ausgezeichneter Giersch-Verdränger. Bärlauch bildet im Frühjahr dichte Teppiche, die dem Giersch das Licht nehmen und ihn am Austreiben hindern. Nach der Blüte zieht sich der Bärlauch zurück, aber bis dahin hat er gute Arbeit geleistet. Er ist außerdem pflegeleicht und breitet sich von selbst aus.
Zum Beispiel: Bärlauch (Allium ursinum)
17. WALDMEISTER (Galium odoratum)
Er begegnet dem Giersch mit einem klugen Vorsprung: Noch bevor das Unkraut im Frühjahr richtig Fahrt aufnimmt, webt der Waldmeister bereits seinen zarten, hellgrünen Teppich. Mit seinem feinen, aber engmaschigen Laubteppich nimmt er dem Unkraut im entscheidenden Moment das Licht. Er schenkt dir nicht nur ein gepflegtes Schattenbeet, sondern auch das Aroma für die erste Maibowle des Jahres.
Beliebte Sorten:
1) Echter Waldmeister
2) Scheinwaldmeister
18. WALD-ERDBEERE
Die Wald-Erdbeere ist die romantische Nasch-Variante für Dein Beet: Sie flitzt so ehrgeizig durch jede Lücke, dass sie dem Giersch charmant den Platz wegschnappt und Dir stattdessen ein Meer aus weißen Blüten und süßen Beeren schenkt.
Was Du wissen solltest: Ihr Freiheitsdrang ist legendär. Sie ist perfekt, um unter Sträuchern für eine dichte, grüne Decke zu sorgen, aber im kleinen, feinen Staudenbeet solltest Du ihren Tatendrang ein wenig im Blick behalten, damit sie nicht selbst zum „wilden“ Übernehmer wird.
Zum Beispiel: Wald-Erdbeere (Fragaria vesca var. vesca)
Und noch ein paar abschließende Sätze:
Bevor Du jetzt voller Elan in die Gärtnerei fährst, lass uns kurz über das „Kleingedruckte“ sprechen. Auch wenn wir das Kriegsbeil begraben haben, passiert die Verwandlung Deines Beetes nicht über Nacht. Hier sind drei Dinge, die Du für Deinen Erfolg wissen musst:
Erwarte keine Wunder in zwei Wochen
Lass Dich nicht täuschen: Es gibt keine Staude der Welt, die den Giersch innerhalb von zwei Wochen komplett verdrängt. Giersch ist ein Langstreckenläufer. Deine neuen Pflanzen brauchen Zeit, um unter der Erde ihr eigenes Netzwerk aufzubauen und oberirdisch so dicht zu werden, dass sie dem Giersch wirklich das Licht nehmen können.
Die Kennenlernphase (Die ersten 1–2 Jahre)
Bevor Deine neuen Stauden einziehen, musst Du an den Pflanzstellen wirklich gründlich jäten. Gib Deinen neuen Schützlingen einen sauberen Start! In den ersten ein bis zwei Jahren sind sie noch „Auszubildende“ – sie brauchen noch ein bisschen Unterstützung. Du musst ihnen den Giersch händisch ein wenig vom Hals halten, bis sie groß und kräftig genug sind, um ihren Platz ganz allein zu behaupten. Schau also regelmäßig nach ihnen und schenk ihnen diese Starthilfe.
Giersch erfolgreich jäten:
Meine Lieblings-Tools und Tipps
Manchmal kommt man um ein bisschen „Regulierung“ nicht herum – sei es an der Einfahrt oder um eine junge Staude zu schützen. Wenn Du zum Jäter greifst, dann mach es mit System:
Timing ist alles: Jäte unbedingt nach dem Regen oder nach dem Gießen. Wenn die Erde feucht und weich ist, gleiten die langen Rhizome viel leichter heraus, ohne abzureißen.
Ich schwöre auf meinen Gierschjäter, aber viele Gartenfreunde erzielen auch mit einer Rosengabel (oder Grabgabel) tolle Erfolge. Damit kannst Du die Erde lockern und die „weißen Schlangen" vorsichtig im Ganzen herausziehen.
Schwächen statt Vernichten: Wenn Du keine Zeit zum Jäten hast, schneide den Giersch kurz vor oder während der Blüte konsequent bodennah ab. Das raubt der Pflanze auf Dauer die Kraft, weil sie immer wieder Energie in neue Blätter stecken muss.
Ernte die „jungen Wilden“: Giersch schmeckt am besten, wenn die Blätter noch ganz jung, hellgrün und leicht gefaltet sind. Diese jungen Ausläufer sind viel zarter und aromatischer als die alten, zähen Blätter. Sieh es positiv: Jedes Blatt in Deinem Pesto ist ein Blatt weniger in Deinem Beet!
Egal für welche Strategie Du Dich entscheidest – ein bisschen Giersch ist immer noch besser als gar kein Garten :-)
Deine Stimme zählt:
Was wächst bei Dir?
Theorie ist das eine, aber die echte Erfahrung in Euren Gärten ist unbezahlbar! Deshalb möchte ich dieses „Giersch-Management“ gemeinsam mit Euch weiterentwickeln. Welche Pflanze hat bei Dir das Rennen gemacht? Wer behauptet seinen Platz und wer hat vielleicht doch kapituliert?
Ich werte die Ergebnisse regelmäßig aus, damit wir hier gemeinsam die ultimative Liste der besten Giersch-Partner erstellen können.
*Alle Links zur Baumschule Horstmann & zum Rosenhof Schultheis sind Affiliate Links, das heißt, wenn eine neue Pflanze bei Dir einziehen darf, bekomme ich eine kleine Provision.
Danke auch an Jonas Reif und Jörg Pfenningschmidt für die 7 Pflanzen, die ihr in Eurem Buch "Hier wächst nichts" empfohlen habt.
Fotos: My Cottage Garden, Kim Lea Adam & Depositphotos